Zhang Xiaogang's Bilder aus der Serie "Bloodline" zeigen bleichgesichtige Menschen aus der Zeit der chinesische Kulturrevolution. Sie sind zum Inbegriff der neuen, zeitgenössischen chinesischen Kunst geworden. Erst vor wenigen Jahren entdeckt, erzielen seitdem die Werke von Zhang Xiaogang Rekordpreise.
Sie vermissen vermutlich Beispiele der Kunstwerke von Zhang Xiaogang auf dieser Seite. Aus Copyright Gründen können wir Ihnen leider keine zeigen. Statt dessen zeigen wir Ihnen auf dieser Seite Druckgrafiken von Zhou Lu, Jahrgang 1963, einem bedeutenden Künstler der Stilrichtung des "Zynischen Realismus".
Zhang Xiaogang gehört zu den führenden Künstlern Chinas, die sich der Bewältigung der Vergangenheit unter Mao Zedongs Kulturrevolution widmen und dabei eine eigene Stilrichtung entwickelten. Seine uniformen Familienporträts erreichten geradezu den Status von Symbolen der neuen Ära der Wandlung. Auch Filmregisseur Oliver Stone kaufte Xiaogangs Bilder für seine Sammlung an.
Zhang Xiaogang ist 1958 geboren und damit in seiner Erziehung von der chinesischen Kulturrevolution geprägt. Er stammt aus Kunming, der Hauptstadt der künstlerisch traditionsreichen Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Einer Region von hoher ethnischer Vielfalt.
Zhang Xiaogang absolvierte seine künstlerische Ausbildung in der benachbarten Provinz Sichuan, im westlichen Zentralchina. 1982 schloss er in Chongqing das Studium der Ölmalerei der Sichuan-Akademie der Bildenden Künste ab.
Von diesem Zeitpunkt an war Xiaogang darum bemüht, sich auch auf dem internationalen Kunstmarkt zu etablieren. Er nahm teil an internationalen Wettbewerben und stellte zunächst in Europa aus, seit den neunziger Jahren dann bereits weltweit.
Zhang Xiaogang ist als ein zurückhaltender Einzelgänger bekannt, der die Hoffnung nie aufgab, sich von jeglichen Beschränkungen in der Kunst und im Denken zu befreien. Er leistete aber auch einen konkreten Beitrag dazu: Er machte ein kleines Lokal auf, in der Hauptstadt der Provinz Sichuan, Chengdu, erworben mit den Erträgen aus dem Verkauf seiner Bilder.
Es war zwar eine Idee nach westlichem Muster, doch bot sie Raum für die chinesische Tradition der Intellektuellen, zu trinken und über Literatur zu sprechen. Schon bald trafen sich dort Künstler, Musiker und Literaten, um das Lokal zu einem geistigen und künstlerischen Zentrum zu machen. Junge Künstler richteten sich in unmittelbarer Nähe dazu ihre Ateliers ein.
Der Weg zum eigenen Stil führte Zhang Xiaogang über den Symbolismus und den Surrealismus. Seine Vorbilder waren zunächst Pablo Picasso und Salvador Dalí. Seine Bilder widmeten sich in expressiver Darstellungsweise dem Thema der Unterwerfung und der bedrückenden Atmosphäre. Von Anfang an ging es dem Künstler um politische Hintergründe.
Den Ausschlag für die eigene und eigenwillige Bildsprache des Malers gab die Fotografie, der während der chinesischen Kulturrevolution eine besondere Rolle zukam. Es entstanden damals unzählige Porträtaufnahmen von Familien, Schulklassen, Arbeitsbrigaden, Organisationen, Helden der Revolution etc., während die individuellen Fotos der vorrevolutionären Zeit der Massenvernichtung anheim fielen. Offenbar als Werkzeuge des gemeinschaftlichen Denkens eingesetzt, wurden diese Schwarz-weiss-Fotos zugleich aber zu Zeugnissen von uniformer Einsamkeit und Leere.
Xiaogang fand solche Fotos im eigenen Familienalbum. Den entscheidenden Anstoß gab offenbar die Entdeckung der Aufnahmen seiner Mutter als junge, schöne Frau. In großformatigen Ölgemälden von perfekt modellierter Oberfläche begann er diese Fotos auf die Leinwand zu übertragen. Doch nicht in der Art, wie sie schon Pop-Art-Künstler mit der Werbesprache vermengten. Zhang Xiaogang bekannte sich mit seiner Arbeit zum so genannten zynischen Realismus, der in der Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit Chinas entstanden war.
Individuelle Markierungen in Farbe stigmatisieren Xiaogangs stumpf und ermattet blickende Figuren, deren Augenglanz jedoch noch nicht erloschen ist. Eine scharf gezogene, rote Linie verbindet die Bilder zum Zyklus "Bloodline: The Big Family" (Stammbaum: Die große Familie), der von einer nahezu monumentalen Charakteristik beherrscht ist. Diese Arbeiten fanden weltweit Beachtung und machten Zhang Xiaogang über Nacht zu einem der erfolgreichsten Künstlern aller Zeiten.
Trotz des überwältigenden Erfolgs führt Zhang Xiaogang weiterhin ein ruhiges und bescheidenes Leben in Beijing.
rp (März 2007)
überarbeitet von Dieter Wanczura, April 2009
mahjong, Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg, Ausstellungskatalog Kunstmuseum Bern und Hamburger Kunsthalle, Herausgegeben von Bernhard Fibicher und Matthias Frehner, 2005
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